Von Anika Pfützner, 21 Jahre
Am Tag des Mauerfalls war ich ein Jahr, sieben Monate und sieben Tage alt. Der Mauerfall liegt nun schon mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Was für eine lange Zeit. Nur wenige Reste der Berliner Mauer zeugen noch von der Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland. Wir zahlen mit dem Euro, können überall in Europa reisen und leben die Demokratie auch in den neuen Bundesländern. Nach dem Mauerfall ist aus dem geteilten Deutschland wieder ein Deutschland geworden, aber fühlen wir uns auch vereinigt?
Ich noch nicht. Noch heute ist es so, dass ich ungläubig beäugt und mit geschmacklosen Kommentaren begrüßt werde. „Ach so, du kommst aus dem Osten. Da war ich noch nie. Ist ja interessant, bei euch gibt es schon fließend Wasser.“ Diese Kommentare sind nicht mehr lustig. Vor allem, weil ich mich an die DDR nicht erinnern kann und nur aus Erzählungen meiner Familie kenne. So erinnere ich höflich daran, dass wir jetzt in einem vereinigten Deutschland leben und ich sogar meine Ausbildung in Hessen absolviere. Ohne Sondergenehmigung von der Führung. Deshalb wünsche ich mir, dass wir alle als Vorbild in Sachen Wiedervereinigung voran gehen und versuche, das Denken nicht auf Ost/West zu beschränken. Wenn alle selbstbewusst von „Wir“ sprechen, dann sind wir wirklich wiedervereinigt.
Dann können irgendwann auch unsere Kinder und Enkel das Gefühl vom vereinigten Deutschland spüren. Dann werden wir in zwanzig Jahren ohne Vorurteile Seite an Seite leben und den wahrgewordenen Traum vom wiedervereinigten Deutschland leben.