Artikel aus dem Oktober 2009

Okt26

Helfen, trotz Gefahr?

Von Anika Pfützner, 21 Jahre

Zivilcourage ist ein Wort, das ich nach dem tödlichen Übergriff auf Dominik Brunner in Solln oft gehört habe. Der Geschäftsmann wurden von zwei Jugendliche zuerst schwer verletzt und starb kurz darauf. Er hatte sich schützend vor die vier 13- bis 15- Jährigen gestellt, von denen die Täter Geld erpressen wollten. Für seinen Mut, den er mit dem Tod bezahlte, wurde er posthum mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Neben dem Mitgefühl für die Familie und dem Schrecken, sind immer noch viele fassungslos, was in unserem Land passiert. So auch in Frankfurt. Erst kürzlich wurde ein Mensch bei dem Versuch, anderen zu helfen an der U-Bahnstation verletzt. Der 51-Jährige wollte einen Streit zwischen drei jungen Frauen schlichten.
So wurde der Schlichter plötzlich selbst zum Opfer. Dass es bei einem Schlichtungsversuch zu solch brutaler Gewalt kommt, ist beängstigend. Wenn man dann den Fernseher anschaltet oder die Zeitung aufschlägt, kommen viele Experten zu Wort.
Sie geben Ratschläge und Handlungshinweise. Auch die Stadt Frankfurt sieht Handlungsbedarf und wirbt mit Aufklärungsflyern für mehr Zivilcourage. Es wird erläutert, wie man sich im Ernstfall verhalten soll. Helfen ist nicht nur moralisch richtig, sondern steht sogar im Grundgesetz.
Doch ein kleiner Zweifel bleibt. Würde ich als zierliche Frau überhaupt dazwischen gehen können? Im Ernstfall wäre ich viel zu schwach und würde mich in Lebensgefahr bringen. Aber ich bin mir sicher, ein Anruf bei der Polizei ist das Mindeste was Jeder tun könnte, um zu helfen.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 26. Oktober 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback
Okt19

Mehr Respekt für Erzieher?

Von Maximilian Lüderwaldt, 16 Jahre

Immer wieder streiken die Erzieher. Vergangenes Mal für einen besseren Gesundheitsschutz. Was man auch von den einzelnen Forderungen im Detail halten mag – diese Streiks der Erzieher sollten als Diskussionsanstoß verstanden werden. Seit Jahren hält sich in vielen Köpfen ein negatives Bild des Erzieher-Berufes, das der wirklichen Bedeutung dieses Berufes für unser Bildungssystem nicht gerecht wird.
Wenn wieder einmal die – leider nur selten durchdachten – Forderungen nach einer höheren Chancengleichheit in unserer Gesellschaft laut werden, wird von vielen gerne übersehen, was längst klar ist: Der Grundstein für einen erfolgreichen Werdegang eines Schülers wird weit vor dem ersten Schultag gelegt. Den Kindergärten kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Wer in der ersten Klasse die deutsche Sprache nicht beherrscht und den Umgang mit Gleichaltrigen nie gelernt hat, der sieht die Türe vor sich zufallen. Erzieher haben die Chance, Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern zu unterstützen.
Im Zuge einer angemessenen Lohnerhöhung und größerem Respekt in der Gesellschaft sollte ihre bedeutende Rolle für eine soziale und leistungsfähige Gesellschaft endlich anerkannt werden. Dann können die Erzieher auch stolz auf sich sein und ungehindert ihrer Arbeit nachgehen.
Ein Mensch arbeitet nicht gut, wenn er sich Vorurteile über sich anhören muss, die besagen, er säße den ganzen Tag gelangweilt auf Parkbänken. Klischees können besiegt werden. Dazu braucht es Öffentlichkeit und Argumente. An letzterem dürfte es den Erziehern aufgrund ihrer Bedeutung nicht mangeln.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 19. Oktober 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback

Okt12

Ist Harald Schmidt jugendtauglich?

Von Leonie Groß, 16 Jahre

Nun gibt es also eine neue Harald Schmidt Show. Im Ersten sogar. Man ist ja seriös. Darauf weist auch der neue Vollbart des Herrn Schmidt hin. Ich sah also die Folge vom 17. September als Podcast im Internet. Das war gut so. Ich hatte mich für einen halbwegs informierten Mensch gehalten – trotzdem musste ich Namen und Ereignisse recherchieren, sonst hätte ich einige Pointen nicht verstanden. Die Show war nämlich nur dann amüsant, wenn man sich zuvor über die aktuelle Politik informiert hatte. Zumindest wurde Schmidt dem Bildungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen gerecht – das hat er sich ja neuerdings vorgenommen. Der in der Sendung geschaltete Beitrag über Schweinegrippe-Patient Rüdiger Alt war dabei für mich einer der Höhepunkte. In Wirklichkeit heißt er Jan Böhmermann und seine Erkrankung war genauso falsch, wie seine Identität. Trotzdem gingen ihm die Sender auf den Leim. Die Sendung lief also schon viel mehr in die Richtung, die sich Schmidt selbst vorgeschrieben hat: politisch, satirisch, scharf.

Ob er dabei an einen Jon Stewart oder einen David Letterman heranreicht, ist Geschmackssache. Fakt ist, dass er sein neu geschaffenes Image in der folgenden Sendung selbst wieder ruinierte. Alte Männer, die Brause von weiblichen Körpern lecken, gehören definitiv zu den Dingen, die ich nicht sehen will. Wenn man dann noch feststellt, dass die „zufällig“ ausgewählte Dame aus dem Publikum die Ex-Freundin seines ehemaligen Kollegen, Oliver Pocher, ist, rutscht das Niveau endgültig gen Keller. Der neue Ansatz war durchaus gut gemeint, aber es bleibt mehr als fraglich, ob Harald Schmidt das durchziehen kann.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 12. Oktober 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback
Okt12

Ist da noch jemand?

Von Maximilian Lüderwaldt, 16 Jahre

Mit dem Titel “Die jungen Milden” ist ein zehn Jahre alter Artikel des Spiegels überschrieben, der eine Generation von Jugendlichen beschreibt, mit der keine Vision zu verbinden ist. Es ist die Rede von der 99er-Generation, die die erste war, die glaubte, die Welt verstanden zu haben und sie nicht mehr verändern zu müssen.

Der Artikel liegt nun schon ein Jahrzehnt zurück, aber Unterschiede zur heutigen Jugend, der 09er-Generation, lassen sich kaum feststellen. Wir sind daran gewöhnt, dass Jugendliche nicht mehr auf die Straße gehen, um für ihre Anliegen, sofern sie überhaupt welche haben, zu protestieren. Und empfinden es als normal, dass es unter jungen Menschen schon lange out ist, sich politisch zu engagieren. In Zeiten wie diesen muss uns dies aber zu Denken geben. Derzeit gibt es enorm wichtige und richtungsweisende Fragen und Probleme in der Weltpolitik.

Sie werden Auswirkungen auf die Zukunft der heutigen Jugend haben, wegschauen ist da nicht die richtige Lösung. Viele Jugendliche wissen Bescheid, über den Krieg in Afghanistan, den Klimawandel und den internationalen Terrorismus. Durch das Internet, das sie mit Informationen überflutet, können sie gar nicht anders, als auf dem Stand der Dinge zu sein. Trotzdem muss sich diese Generation den Vorwurf gefallen lassen, die Welt nicht mehr zu kritisieren, sondern immer nur im Auge zu haben, wie sie am stärksten von ihr profitieren kann.

Viele Probleme und Missstände erscheinen den jungen Leuten als gegeben, sie glauben, dass es sich erst gar nicht lohnen würde, gegen sie zu kämpfen. Erschreckend ist, um ein Beispiel zu nennen, dass in der aktuellen Wirtschaftskrise Milliarden Euro an Schulden gemacht werden, für die später einmal die heutige Jugend aufkommen muss. Trotzdem sind die Konjunkturprogramme Programme geblieben, für die sich kaum jemand wirklich interessiert.

Vielleicht ist nun nach vielen Jahren Leerlauf doch wieder einmal die Zeit für die Jugend gekommen, den Blick zu schärfen und sich verstärkt politisch zu engagieren. In welcher demokratischen Partei oder anderen Organisation sie dies tut, spielt keine Rolle. Um die Grundlagen dafür zu schaffen, ist die Politik gefordert. Es gilt: Bildung schafft Interesse, Interesse schafft Engagement. Die Initiative aber, die muss von den Jugendlichen selbst kommen

Thema: Mitmischen | Veröffentlicht am 12. Oktober 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback

Okt5

Wer will schon Soldat sein?

Von Hannah Rammé, 18 Jahre

Zurzeit können sich 41 Prozent der 15- bis 32-jährigen Deutschen sich nicht vorstellen, auch nur zeitweise der Bundeswehr zu Diensten zu sein. Etwa 14 Prozent tendieren in dieser Frage zu „eher nein“. Dies ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums. Die Studie macht sichtbar, wie sehr das Ansehen der Bundeswehr bei den Jugendlichen gesunken ist. Das schlechte Abschneiden hat sicher auch damit zu tun, dass, etwa bei Auslandseinsätzen, Gefahren und Risiken für Leib und Seele bestehen. Fest steht: Der „Bund“ hat ein Imagepro-blem und rangiert im Ansehen der jungen Leute als Arbeitgeber auf einem der hintersten Plätze.

Das ist wohl der Kernpunkt der Veränderungen quer durch Gesellschaft: Während vor etwa 30 Jahren noch der wehrpflichtige junge Mann durchaus gern gesehen war, offenbart sich heute, dass es nicht mehr gut ankommt, Soldat gewesen zu sein. Wer heute bei der Bundeswehr anfängt, wird eher schräg angeschaut. Die Leute, die zum „Bund“ wollen, machen das aus Überzeugung heraus. Andererseits stellen sich viele junge Männer scheinbar nicht mehr die Frage, ob sie aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigern wollen.

Das heißt, ob sie deshalb verweigern, weil sie nicht in der Lage wären, aus Notwehr eigenhändig einen Menschen zu töten. Vielmehr spielen politische oder wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle, wenn sie sich gegen den Wehrdienst entscheiden. Es ist zum Normalfall geworden, einen Ersatzdienst zu leisten. Vom Kriegs- zum Friedensdienst: Das wäre eine nicht die schlechteste Entwicklung für unsere Gesellschaft.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 05. Oktober 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback


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