Artikel aus dem September 2009

Sep28

Kennt ihr eure Nachbarn?

Von Carola Wondrak, 19 Jahre

Wie konnte das passieren? Neulich las ich erneut in der Zeitung davon, dass ein Mann tot in seiner Wohnung gefunden wurde. Da frage ich mich, weshalb das niemandem im Haus aufgefallen war? Wie sich herausstellte, hatte der Mann schon längere Zeit tot in seinem Fernsehsessel gelegen – und sogar der Fernseher lief noch. So ließ sich auch das Todesdatum des Mannes feststellen: Die Zeitschrift mit dem Fernsehprogramm zeigte ein Datum, das schon vier Monate vergangen war! Ganz schön makaber.Obwohl die Welt immer kleiner wird und wir von Internet und Kommunikation abhängig sind, gibt es immer noch Menschen, die von anderen Menschen abgeschirmt leben. Sie wohnen Seite an Seite in einem Mietshaus, aber wissen nicht das Geringste voneinander.

Wie kann es aber sein, dass sich die Nachbarn nicht darum scheren, dass sie den anderen lange nicht auf der Straße gesehen haben? Wo ist denn die Vernetzung mit Menschen in der nahen Umgebung geblieben? Im Internet knüpfen und pflegen die Menschen über Datenbanken Kontakte mit Leuten, die oftmals mehrere hundert Kilometer entfernt leben. Aber seine eigene Nachbarschaft kennt offenbar niemand mehr so genau.

Und auch in der Schule ist das Grüßen längst nicht mehr gang und gäbe. Sei es von Lehrer- oder von Schülerseite: Sprüche wie „Den da grüß’ ich aber bestimmt nicht“ und das Drüberhinwegsehen und Ignorieren von Personen haben in unser Leben Einzug gehalten. Schade. Denn man vergibt sich nichts, wenn man dem Nachbarn einfach mal einen schönen Tag wünscht oder sich öfter mal anlächelt.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 28. September 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback
Sep21

Was tun gegen Mobbing?

Von Yannik Grotemeyer, 18 Jahre

Es gibt sie fast überall in unserer Gesellschaft: Außenseiter – Menschen die von einer Gruppe weder integriert noch akzeptiert werden, sei es wegen einer anderen Verhaltensweise, hoher, beziehungsweise niedriger, Intelligenz oder einfach nur aufgrund eines ungewöhnlichen Klamottenstils.
Diese Andersartigkeiten können Gründe dafür sein, weshalb sie von einer Gruppe ausgeschlossen, verachtet und gemobbt werden. Doch warum gibt es in nahe- zu jeder Schulklasse mindestens ein Mobbingopfer? Nur, weil die oder der Betroffene anders ist? Der eigentliche Grund für Mobbing in der Schule ist eher, dass die Klasse einen Sündenbock braucht, an dem sie ihren Frust und die schlechte Laune auslassen kann. Daher sind Klassenmitglieder, die vielleicht zu schüchtern, zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, zu ungewöhnlich – also eben anders als der Großteil der Klasse sind, ein gefundenes Fressen, und sie werden geschnitten oder gedemütigt. Meist sind es zwei oder drei Hauptakteure, dazu kommen denjenigen, die mitmobben, um nicht selbst zu Opfern zu werden, eine Eigendynamik entsteht.
Doch wie kann man Mobbingopfern helfen, den Teufelskreis zu durchbrechen? Durch Gespräche mit den Tätern könnte man versuchen, diese zur Vernunft zu bringen, hilft das nicht, sollte eine Lehrkraft eingeschaltet werden. Doch seien wir ehrlich: Im Grunde genommen ist es unwahrscheinlich, dass sich was ändert. Die beste Lösung für einen Outsider ist letztendlich der Wechsel in eine andere Klasse oder gar an eine andere Schule, wo ihn die Leute im besten Fall so akzeptieren, wie er ist.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 21. September 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback

Sep14

Was kann Schule leisten?

Von Vivian Yurdakul, 20 Jahre

Die Zeiten, in denen es auf den ersten Partys darum ging, wer ungeküsst wieder nach Hause musste, scheinen vorbei zu sein. Heute dreht sich alles um die Frage, wer mit welchem Promillegehalt im Blut nach Hause kommt. Diesen Eindruck vermittelt die Studie „Jugendliche–Alkohol–Hintergründe“ von der Berliner Landesstelle für Suchtprävention. Ihr zufolge erleben die meisten Jugendlichen den ersten Vollrausch bereits im Alter von vierzehn Jahren. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), forderte die Einführung eines Schulfachs, das Jugendliche auf den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol vorbereitet. Aber mit diesem Vorschlag wird die Schule für ein Problem zur Verantwortung gezogen, an dem sie nicht Schuld ist. Denn der richtige Umgang mit Alkohol kann nur von den Eltern beigebracht werden.

Die Schule hat in erster Linie einen Bildungs-, keinen Erziehungsauftrag zu erfüllen. Lehrer haben dafür zu sorgen, dass ihre Schüler den Satz des Pythagoras kennen und in der Lage sind, die Metaphorik barocker Liebesgedichte zu interpretieren. Wenn Lehrer darüber hinaus den Umgang mit Alkohol beibringen, übernehmen sie eine Aufgabe der Eltern. Der Fernsehkoch Johann Lafer forderte vor kurzem die Einführung des Schulfaches „Ernährung“. Und wann immer eine neue Statistik zur Jugendkriminalität erscheint, fordert mindestens ein Politiker, „Konfliktprävention“ in Schulen zu lehren. Diese Vorschläge folgen dem Prinzip der Bundesdrogenbeauftragten: Wenn die elterliche Erziehung versagt, soll die Schule ran. Und wird so zum Sündenbock.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 14. September 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback
Sep7

Sind Lehrer überfordert?

Von Leonie Ruhland, 18 Jahre

Lehrer engagieren sich zu wenig, sind überfordert und unfähig, die Schüler angemessen zu unterrichten. Das behaupten 65 Prozent der Teilnehmer einer Studie des Institus für Demoskopie Allensbach (IfD). Befragt wurden 1807 Deutsche ab 16 Jahren, darunter waren 300 Eltern von Schulkindern. Doch die Realität an Schulen sieht eben auch so aus: Im Jahr 2008 fehlten in Deutschland rund zwanzigtausend Pädagogen. In vielen Klassen sitzen mehr als 30 Schüler. Unter solchen Voraussetzungen entsteht weder ein gutes Klassenklima, noch eine faire Lernchance. Deshalb müssen mehr Lehrer her, aber dringend! Doch Vorsicht. Nur weil es einen Lehrermangel gibt, heißt das nicht, dass auch jeder x-Beliebige genommen werden sollte. Man greift sich als Schüler schon manchmal an die Stirn und fragt sich: Kann man denn so leicht Lehrer werden?

Bei manch einem sieht es leider sehr danach aus, als ob er dem Ganzen tatsächlich nicht gewachsen wäre, beispielsweise wenn er den Klassenbesten um Hilfe bitten oder „eben mal selbst nachschauen“ muss, wenn mal wieder eine Frage des Schülers nicht beantwortet werden konnte.

Es sollte also doch bitte so sein, dass Lehrer etwas Kompetenz mitbringen. Immerhin gehen wir in die Schule, um etwas gelehrt zu bekommen und nicht, um es uns selbst beizubringen. Forderungen nach „mehr Disziplin“ erfüllen wir dann auch um so lieber. Schlussendlich sollten aber auch die Eltern ihre Rolle in unserer Erziehung stärker wahrnehmen. Denn er sollte nicht so sein, dass Lehrer auch noch die Fehler, die im Elternhaus passieren, geradebiegen müssen.

Thema: Ausgeteilt | Veröffentlicht am 07. September 2009 um 07:00 | KommentierenTrackback



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